Arkham Stories

Donnerstag 05-04-1923 Tagebucheintrag von Mary-Ann Hauser

Forensik & Recherchen im Hafen

Lieber Walter,

die letzten Tage waren voller überraschender Wendungen.

Zunächst mussten wir am Dienstagmittag erfahren, dass der junge Mann, der verwirrt-verwahrlost aufgefunden worden war, während seines Aufenthaltes in der Psychiatrie plötzlich verstorben ist.
Da Dr. Miller private Verpflichtungen hat und ihm mein so plötzlich aufgekommenes Interesse an der Rechtsmedizin zu gefallen scheint, überlässt er mir allein die Obduktion der Leiche. Der Befund war eigentlich völlig unspektakulär: Der Junge war ertrunken. Sämtliche inneren Organe (Lunge, Magen, Darm) waren voller Seewasser. Es gab auch keinerlei Kampfspuren. Der Körper verkrampft, der Kopf überstreckt. Alles ganz lehrbuchgemäß. Aber…. der Leichnam wurde im Krankenbett aufgefunden. Das Bett, die Klinikskleidung, Haut und Haare – alles trocken! Wie kann das zugehen, dass er quasi nur von innen nass ist?!

Ebenso frustrierend ist, dass die Untersuchung keinen Hinweis auf seine Identität liefert. Aber der Beruf Matrose scheint zu passen (nicht nur, weil seine mehrfach geflickte Lederjacke einer Seemannsjacke entspricht und nach Meerwasser und Seetang riecht) – auch seine Schwielen und verheilten Wunden deuten auf harte körperliche Arbeit auf beengtem Raum hin.

Dr. Miller war zunächst entsetzt als er meinen Bericht las – aber er kam zum gleichen Schluß nachdem er die Obduktion wiederholt hatte: Tod durch Ertrinken. Wie das genau im Krankenhaus passiert sein soll – darüber “durfte” ich dann diesem anstrengenden Det. Herrigan Rede und Antwort stehen. Er glaubt meiner Annahme nicht, dass der Täter innerhalb von ca. vier Stunden (Zeitspanne zwischen der letzten Sichtung des Opfers in apathischem, aber lebendigem Zustand und Auffinden der Leiche) den Jungen rausgeschleppt, ersäuft, getrocknet und zurückgeschleppt hat. Aber wie soll es denn sonst gewesen sein?! Und wäre das noch nicht genug, so wirft mir dieser infame Mensch zum Schluß des Gesprächs auch noch einer widerliche Steinskulptur zu – ein ähnlich abstoßendes Artefakt wie dasjenige, welches wir am Medow Hill gefunden hatten. Der Junge habe es in der Hand gehalten als man ihn fand.

Das kunstvoll gearbeitete Objekt aus schwarzem Basalt, das ganz neu erschaffenwurde und damit nicht wie ein archäologisches Objekt wirkt, übergebe ich an Hupert Sherington. Zum einen, damit ich diese Absonderlichkeit nicht länger ertragen muss und zum anderen, weil sich unser junger Freund mit Vergleichsstudien zu diesen Skulpturen beschäftigt. Er hat da wohl auch schon einige Informationen sammeln können, identifizierte die Figur als Krötengötze der Norset namens Satogua (oder so ähnlich).

Bei dieser Gelegenheit berichtete Mr. Sherington mir von seinen Nachforschungen in Kingsport bei der dortigen Hafenmeisterei. So lag in den vergangenen Tagen kein deutsches Schiff vor Anker, allerdings sind die Mannschaften generell oft internatioal breit aufgestellt. Vermisst wird kein Matrose. Zu guter Letzt konnte aber ein ehemaliger deutscher Kriegsgefangener, der nun als Fischer arbeitet, den Ruf des Jungen erklären: LI steht für den Leitenden Ingenieur auf einem U-Boot.

Meine restliche karge Freizeit verbringe ich mit Recherchen in der medizinischen Bibliothek. Jetzt werde ich noch den guten Mr. Peabody anrufen, denn morgen wollen wir bei unserem allwöchentlichem Treffen in der Society endlich beginnen, unsere Frühjahrsausgrabungen am Medow Hill zu planen.

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CarmenJung

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