Arkham Stories

Freitag 23-3-1923 Tagebucheintrag von Mary-Ann Hauser

Ausstellungsplanung und ein Wiedersehen

Lieber Walter,

heute hat endlich Hupert Sherington wieder eines unserer Treffen besucht. Der fleißige junge Mann hatte sich ja für seine umfänglichen Studien zurückgezogen und – das weiß keiner besser als Du – darüber seine gesellschaftlichen Verpflichtungen vergessen. Aber auch wir Älteren waren nachlässig und erst in der dritten Woche, nachdem er nicht mehr zu unseren Treffen gekommen war, schickten wir den guten Lester mit einem Obstkörbchen in den Norden Arkhams um nach dem jungen Herrn zu schaúen und Grüße der Society zu bestellen. Und ihn herzlich an unsere Treffen zu erinnern. Denn es gibt viel zu tun. Lapham plant eine Ausstellung des Skelettfundes von Medow Hill im Kontext Ureinwohner und Pilgerväter und ist kaum zu bremsen in seinem Tatendrang.

Und heute war Mr. Sherington endlich wieder dabei. Aber … wie er aussieht. Völlig ausgezehrt, erschöpft und schreckhaft. Nur noch ein Schatten seiner selbst. Was ist nur mit passiert? So schlecht kann die Luft in seiner Studentenbude doch gar nicht sein? Wie exzessiv mag er seine Studien betrieben haben? War es richtig, ihn mit diesem gräßlichen alten Manuskript des Rev. Phillips allein zu lassen?

Die gute Stimmung unserer kleinen Runde ist sofort getrübt. Um uns aufzuheitern beginnt Lapham mit den Detailplanungen zur Ausstellung. So möchte er das Skelett in einer mit einem Vorhang verdeckten Vitrine nur Männern zugänglich machen. Oh, dieser alte Mann – er hat keine Ahnung, was wir Frauen alles aushalten können – wenn wir es wollen! Die Artefakte werden dagegen in einer zweiten Vitrine dem gesamten geneigten Publikum präsentiert. Und viele Stücke aus dem Fundus der Society (Portraits, Tagebücher etc.) werden schöne Ergänzungen sein.
Dermaßen beflügelt planen wir auch gleich eine zweite, richtige Ausgrabung am Medow Hill – finanziert durch die Ausstellung.

Ich berichte noch kurz von dem zweiten Mordfall, doch bevor die Stimmung wieder kippt und Mr. Sherington sich erneut in die Bibliothek verzieht (was hat er da schon wieder gesucht?!) begeben wir uns alle ins Erdgeschoß um die Vitrinen zu rücken und zu säubern und die Objekte provisorisch einzuräumen. Schließlich soll das Konzept der Ausstellung am morgigen Samstag in einer Pressekonferenz präsentiert werden.

Aber was ist das – das Messer ist verschwunden! Wir durchsuchen alle Kisten und die Asservatenkammer Nichts! Lester und Mr. Sherington fahren sogar in dessen Studentenbude um dort nachzuschauen, wollte Mr. Sherington doch die Artefakte näher archäologisch klassifizieren.

Aber das Steinmesser bleibt unauffindbar! Mr. Sherington erwähnt, dass er vor ca. sieben Wochen gesehen hat, dass die Tür zur Asservatenkammer offenstand – aber niemand hielt sich dort auf und so schloß er sie wieder ab.

Sollen wir die Polizei alarmieren? Immerhin handelt es sich um ein wertvolles Fundstück. Aber was sollen wir ihr sagen? Vier Personen besitzen den Schlüssel zur Kammer. Und ich habe das Messer nicht an mich genommen – und die Herren Peabody, Ropes und Sherington doch sicher auch nicht. Und dann vermutet Mr. Sherington auch noch, das verschwundene Steinmesser könnte die Tatwaffe in den beiden Mordfällen sein! Ein ungeheuerlicher Gedanke!

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CarmenJung

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