Arkham Stories

Montag 02-4-1923 Tagebucheintrag von Hupert Sherington

Ein armer Matrose

Die Ereignisse überschlagen sich. Aber der Reihe nach.
Nach wochenlangem intensivem Studium des unheilvollen Manuskriptes von Rev. Phillips – dessen Irrationalität und Grauen mich immer tiefer in seinen Bann zog und mir nicht nur in der Nacht unheilvolle Träume bescherte – fühlte ich mich seit vergangener Woche zunächst endlich wieder ein wenig besser. Ja, menschlicher, lebendiger.

Es hatte mit der Ausstellung der Society viel zu tun gegeben. Auch versuchte ich, Quellen über den Rev. und das Buch selbst zu finden und zu lesen. Auch die rätselhaften Morde an zwei jungen Frau und das verschwundene Steinmesser waren in meinen Gedanken immer wieder präsent und lenkten mich ab. Und dann dieses komische Wort, ein Name wohl wie ich mittlerweile weiß, den Mr. Ropes in meiner Gegenwart (und nur in dieser) fallenließ: Tsathoggua. Es ist fast unmöglich, Quellenmaterial dazu zu finden. Aber ich entdeckte, dass Sataugua ein Götze der Norset-Indianer war.
Schließt sich hier ein Kreis? Sind dunkle Geheimnisse aus der Vergangenheit noch lebendig? Dennoch ging es mir besser. Die krötenartige Fratze in meinen Alpträumen und Halluzinationen wurde immer mehr zu dem was sie war – ein steinernes Abbild, kein lebendiges Gesicht. Auch den Geruch von Seetang vernahm ich kaum noch.

Insbesondere die strahlende Eröffnung unserer Ausstellung am vergangenen Samstag beflügelte mich und sorgte für große Freude. Viele Gäste, ja nahezu ganz Arkham inkl. der Presse waren gekommen und hatten sich mehr als wohlwollend unsere Funde betrachtet.

Während ich am heutigen Montag beschwingt in der Bibliothek recherchierte suchte mich Dt. Herrigan auf um mir eine kleine Figur zu zeigen und meine Meinung zu erfragen. Ich war geschockt, als ich sah, was er auspackte: Eine Gestalt, mehr Kröte als Mensch. Sehr ähnlich unserem Fundstück, aber sehr viel detaillierter und präziser gearbeitet. Ein Meisterwerk – wenn nicht diese dämonische Ausstrahlung von ihr ausgehen würde.
Das Objekt wurde bei einem verwahrlosten jungen Mann gefunden, der es fest umklammert hielt und “Eli” rief. Er konnte noch nicht identifiziert werden, da er ansonsten beharrlich schweigt und wurde daher in der Psychiatrie untergebracht. Ich kann dem dringend Hilfe benötigendem Detective nicht weiterhelfen, da mir nur unsere Figur vom Medow Hill als weiteres Vergleichsstück bekannt ist und komplementiere ihn anschließend schnell heraus.

Um mich fix auf den Weg zum St. Mary’s Krankenhaus zu begeben. Glücklicherweise finde ich Dr. Hauser schnell und wir begeben uns rasch in die psychiatrische Abteilung (der dort zuständige Dr. Abbott ist nämlich gerade zu Tisch).

Der junge Mann hat einen langen Zausebart und wirkt reichlich derangiert, ist aber unverletzt. Ohne Tätowierungen oder Schmuck, welche eine Identifizierung erleichtern könnten. Seine Kleidung und Schuhe, welche auf einem Stuhl drapiert wurden sind komplett zerschlissen. Besonders auffällig seine Lederjacke nach Seemannsart, innen komplett nass und nach Seetang (SEETANG ….) riechend.

Dr. Hauser versucht vergeblich mit ihm zu reden. Er ruft nur immer wieder “Eli”. Und da erwischt uns Dr. Abbott bei seinem Patienten, wutentbrannt wirft er uns aus dem Krankenzimmer. Doch unerwartete Hilfe kommt von einer alten Krankenschwester mit deutschen Vorfahren, die im Gemurmel des jungen Mannes ihre Großmuttersprache wiedererkennt und übersetzt, er würde “Rettet Euch!” rufen. Oder “L I”. Was immer letzteres bedeuten mag.

Ich werde am morgigen Tag mich im Hafen nach einem deutschen Schiff umsehen während Dr. Hauser Dr. Abbotts Mittagspause für einen erneuten Krankenbesuch nutzen wird.

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CarmenJung

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