Arkham Stories

Montag 02-4-1923 Tagebucheintrag von Hupert Sherington
Ein armer Matrose

Die Ereignisse überschlagen sich. Aber der Reihe nach.
Nach wochenlangem intensivem Studium des unheilvollen Manuskriptes von Rev. Phillips – dessen Irrationalität und Grauen mich immer tiefer in seinen Bann zog und mir nicht nur in der Nacht unheilvolle Träume bescherte – fühlte ich mich seit vergangener Woche zunächst endlich wieder ein wenig besser. Ja, menschlicher, lebendiger.

Es hatte mit der Ausstellung der Society viel zu tun gegeben. Auch versuchte ich, Quellen über den Rev. und das Buch selbst zu finden und zu lesen. Auch die rätselhaften Morde an zwei jungen Frau und das verschwundene Steinmesser waren in meinen Gedanken immer wieder präsent und lenkten mich ab. Und dann dieses komische Wort, ein Name wohl wie ich mittlerweile weiß, den Mr. Ropes in meiner Gegenwart (und nur in dieser) fallenließ: Tsathoggua. Es ist fast unmöglich, Quellenmaterial dazu zu finden. Aber ich entdeckte, dass Sataugua ein Götze der Norset-Indianer war.
Schließt sich hier ein Kreis? Sind dunkle Geheimnisse aus der Vergangenheit noch lebendig? Dennoch ging es mir besser. Die krötenartige Fratze in meinen Alpträumen und Halluzinationen wurde immer mehr zu dem was sie war – ein steinernes Abbild, kein lebendiges Gesicht. Auch den Geruch von Seetang vernahm ich kaum noch.

Insbesondere die strahlende Eröffnung unserer Ausstellung am vergangenen Samstag beflügelte mich und sorgte für große Freude. Viele Gäste, ja nahezu ganz Arkham inkl. der Presse waren gekommen und hatten sich mehr als wohlwollend unsere Funde betrachtet.

Während ich am heutigen Montag beschwingt in der Bibliothek recherchierte suchte mich Dt. Herrigan auf um mir eine kleine Figur zu zeigen und meine Meinung zu erfragen. Ich war geschockt, als ich sah, was er auspackte: Eine Gestalt, mehr Kröte als Mensch. Sehr ähnlich unserem Fundstück, aber sehr viel detaillierter und präziser gearbeitet. Ein Meisterwerk – wenn nicht diese dämonische Ausstrahlung von ihr ausgehen würde.
Das Objekt wurde bei einem verwahrlosten jungen Mann gefunden, der es fest umklammert hielt und “Eli” rief. Er konnte noch nicht identifiziert werden, da er ansonsten beharrlich schweigt und wurde daher in der Psychiatrie untergebracht. Ich kann dem dringend Hilfe benötigendem Detective nicht weiterhelfen, da mir nur unsere Figur vom Medow Hill als weiteres Vergleichsstück bekannt ist und komplementiere ihn anschließend schnell heraus.

Um mich fix auf den Weg zum St. Mary’s Krankenhaus zu begeben. Glücklicherweise finde ich Dr. Hauser schnell und wir begeben uns rasch in die psychiatrische Abteilung (der dort zuständige Dr. Abbott ist nämlich gerade zu Tisch).

Der junge Mann hat einen langen Zausebart und wirkt reichlich derangiert, ist aber unverletzt. Ohne Tätowierungen oder Schmuck, welche eine Identifizierung erleichtern könnten. Seine Kleidung und Schuhe, welche auf einem Stuhl drapiert wurden sind komplett zerschlissen. Besonders auffällig seine Lederjacke nach Seemannsart, innen komplett nass und nach Seetang (SEETANG ….) riechend.

Dr. Hauser versucht vergeblich mit ihm zu reden. Er ruft nur immer wieder “Eli”. Und da erwischt uns Dr. Abbott bei seinem Patienten, wutentbrannt wirft er uns aus dem Krankenzimmer. Doch unerwartete Hilfe kommt von einer alten Krankenschwester mit deutschen Vorfahren, die im Gemurmel des jungen Mannes ihre Großmuttersprache wiedererkennt und übersetzt, er würde “Rettet Euch!” rufen. Oder “L I”. Was immer letzteres bedeuten mag.

Ich werde am morgigen Tag mich im Hafen nach einem deutschen Schiff umsehen während Dr. Hauser Dr. Abbotts Mittagspause für einen erneuten Krankenbesuch nutzen wird.

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Freitag 23-3-1923 Tagebucheintrag von Mary-Ann Hauser
Ausstellungsplanung und ein Wiedersehen

Lieber Walter,

heute hat endlich Hupert Sherington wieder eines unserer Treffen besucht. Der fleißige junge Mann hatte sich ja für seine umfänglichen Studien zurückgezogen und – das weiß keiner besser als Du – darüber seine gesellschaftlichen Verpflichtungen vergessen. Aber auch wir Älteren waren nachlässig und erst in der dritten Woche, nachdem er nicht mehr zu unseren Treffen gekommen war, schickten wir den guten Lester mit einem Obstkörbchen in den Norden Arkhams um nach dem jungen Herrn zu schaúen und Grüße der Society zu bestellen. Und ihn herzlich an unsere Treffen zu erinnern. Denn es gibt viel zu tun. Lapham plant eine Ausstellung des Skelettfundes von Medow Hill im Kontext Ureinwohner und Pilgerväter und ist kaum zu bremsen in seinem Tatendrang.

Und heute war Mr. Sherington endlich wieder dabei. Aber … wie er aussieht. Völlig ausgezehrt, erschöpft und schreckhaft. Nur noch ein Schatten seiner selbst. Was ist nur mit passiert? So schlecht kann die Luft in seiner Studentenbude doch gar nicht sein? Wie exzessiv mag er seine Studien betrieben haben? War es richtig, ihn mit diesem gräßlichen alten Manuskript des Rev. Phillips allein zu lassen?

Die gute Stimmung unserer kleinen Runde ist sofort getrübt. Um uns aufzuheitern beginnt Lapham mit den Detailplanungen zur Ausstellung. So möchte er das Skelett in einer mit einem Vorhang verdeckten Vitrine nur Männern zugänglich machen. Oh, dieser alte Mann – er hat keine Ahnung, was wir Frauen alles aushalten können – wenn wir es wollen! Die Artefakte werden dagegen in einer zweiten Vitrine dem gesamten geneigten Publikum präsentiert. Und viele Stücke aus dem Fundus der Society (Portraits, Tagebücher etc.) werden schöne Ergänzungen sein.
Dermaßen beflügelt planen wir auch gleich eine zweite, richtige Ausgrabung am Medow Hill – finanziert durch die Ausstellung.

Ich berichte noch kurz von dem zweiten Mordfall, doch bevor die Stimmung wieder kippt und Mr. Sherington sich erneut in die Bibliothek verzieht (was hat er da schon wieder gesucht?!) begeben wir uns alle ins Erdgeschoß um die Vitrinen zu rücken und zu säubern und die Objekte provisorisch einzuräumen. Schließlich soll das Konzept der Ausstellung am morgigen Samstag in einer Pressekonferenz präsentiert werden.

Aber was ist das – das Messer ist verschwunden! Wir durchsuchen alle Kisten und die Asservatenkammer Nichts! Lester und Mr. Sherington fahren sogar in dessen Studentenbude um dort nachzuschauen, wollte Mr. Sherington doch die Artefakte näher archäologisch klassifizieren.

Aber das Steinmesser bleibt unauffindbar! Mr. Sherington erwähnt, dass er vor ca. sieben Wochen gesehen hat, dass die Tür zur Asservatenkammer offenstand – aber niemand hielt sich dort auf und so schloß er sie wieder ab.

Sollen wir die Polizei alarmieren? Immerhin handelt es sich um ein wertvolles Fundstück. Aber was sollen wir ihr sagen? Vier Personen besitzen den Schlüssel zur Kammer. Und ich habe das Messer nicht an mich genommen – und die Herren Peabody, Ropes und Sherington doch sicher auch nicht. Und dann vermutet Mr. Sherington auch noch, das verschwundene Steinmesser könnte die Tatwaffe in den beiden Mordfällen sein! Ein ungeheuerlicher Gedanke!

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Mittwoch, 21-3-1923 Tagebucheintrag von Mary-Ann Hauser
Besuch bei Dr. Miller

Lieber Walter,

der gute Dr. Miller war heute leider wieder extrem uncharmant. Er konnte mir zu der gestern so traurig ums Leben gekommenen jungen Frau keine weitergehenden Angaben machen als diejenigen, welche ich selbst bereits entdeckt hatte. Es hatte wohl einen längeren Kampf gegeben, worauf typische Abwehrverletzungen an den Unterarmen hindeuten. Die Stimmbänder wurden gezielt zerstört. Der Angreifer ist äußerst brutal vorgegangen. Als Waffe vermutet er eine Art Säge oder einen grob gearbeiteten Kris.

Leider hat er sich dann aber geweigert, mir die Akte zum Mordopfer von Anfang Februar zu zeigen. Das gehe mich nichts an… pah, alter Wichtigtuer… aber ich werde schon noch einen Weg finden meine Neugierde zu stillen …

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Dienstag, 20-3-1923 Tagebucheintrag von Mary-Ann Hauser
Das zweite Opfer

Lieber Walter,

während draußen bereits milde Frühlingsluft die Bäume erblühen lässt und im Kreißsaal doch so einige rosige Babies das Licht der Welt erblickten – kam es heute zu einem traurigen Vorfall im Krankenhaus. Ich war die letzte im OP, die anderen Ärzte waren schon nach Hause gegangen, als der Rettungswagen in Begleitung der Polizei eine junge Frau zu uns brachte. Und obwohl ich durch die Geburtshilfe an Blut gewöhnt bin, so verstörten mich ihre Wunden doch sehr. Im ganzen Gesicht und am Hals wies sie unzählige Schnittwunden auf, aus denen es unablässig blutete. Es war fast unmöglich, sich in all dem Blut einen Überblick zu verschaffen welche der Wunden am dringlichsten zu versorgen waren und so begann ich fast blindlings mit der Wundversorgung. Doch es war zu spät – aufgrund des großen Blutverlusts verstarb die junge Frau unter meinen Händen.

Während die Schwestern aufgeregt den OP verließen betrachtete ich mir das arme Ding näher. Sie trug die einfache Kleidung und Frisur einer Arbeiterin (wie ich später erfahren sollte taumelte sie nach dem Angriff – denn diese Wunden kann man sich nicht selbst beibringen – aus einem Lager der Lederfabrik in der sie arbeitete). Ihr Gesicht war furchtbar zerstört. Auffällig auch die Art der Schnittwunden mit ausgefransten Rändern eher grob gerissen als fein geschnitten. Mit welcher Waffe vermag ich mir nicht vorzustellen – eher könnte es ein Werkzeug, ähnlich eine Säge, gewesen sein. Auch ihre Luftröhre war zerfetzt worden – um ihre Sprechfähigkeit zu unterbinden? Was mag sich nur zugetragen haben?

Auch die Polizei tappt wohl noch im Dunkeln. Kein Wunder, ist doch auch hier der schmierige Dt. Herrigan mit dem Fall betraut. Er stellte mir einige Fragen, schien aber nicht sonderlich beeindruckt. Immerhin sei die Studentin, welche Anfang Februar ermordet wurde, auf gleiche Weise umgekommen. Das war mir neu (gut, in der Zeitung wurde auch nur der Mord an sich, ohne weitere Details, beschrieben). Morgen werde ich Dr. Miller, den alten Pathologen aufsuchen.

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Freitag 02-2-1923 Tagebucheintrag von Mary-Ann Hauser

Lieber Walter,

heute kam es endlich zur Gegenüberstellung im Polizeirevier von Arkham. Dieser Schmierlappen Dt. Herrigan empfing uns völlig gehetzt und überreizt. Wobei… auch der ehrenwerte Mr. Sherington wirkte heute extrem übernächtigt und aufgewühlt. So kenne ich diesen vortrefflichen jungen Mann gar nicht. Dabei gab es keinen Grund. Schließlich hatten wir vier uns abgesprochen, dass wir der Aufforderung unserer ungebetenen Besucher im Schützenhaus Folge leisten wollten und es gelang uns auch, die Polizei zu überzeugen, dass keiner der uns präsentierten Knaben der Schütze war. Lapham hatte auch dem Vorsitzenden des Schützenvereins erklärt, dass die aufgebrochene Tür durch jugendliche Randalierer verursacht worden war. Auch hier wurde dieser Version der Geschichte Glauben geschenkt.

Ich hoffe sehr, dass dieser Kriminalfall damit für uns zu Ende ist. Meine Gedanken kreisen nämlich immer noch und beständig um den mysteriösen Fund vom Medow Hill.

Aber was ist das … ein großes Aufgebot der Presse vor dem Polizeirevier? Und überall Hektik und Sirenengeheul?

Was ist denn nun schon wieder los in diesem verschlafenen Städtchen?….

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Dienstag, 30-1-1923 Tagebucheintrag von Mary-Ann Hauser
Skelett bleibt ein medizinisches Rätsel

Lieber Walter,

heute Mittag hatte ich endlich Zeit, Dr. Miller, unseren altehrwürdigen Rechtsmediziner in seinem noch altehrwürdigerem Kellerlabor zu besuchen und ihm unser Skelett vom Medow Hill zu präsentieren.

Im grellen Licht der Laborlampen war der Anblick dieser aufs übelste misgebildeten Kreatur kaum zu ertragen. Kaum vorstellbar, dass ein Mensch – und als solche schätze ich ihn entgegen der Meinung Millers immernoch ein – all diese Deformationen in sich vereinen kann.

Die Person war männlich und starb, ohne an den Knochen zu erkennende Hinweise auf die Umstände, in hohem Greisenalter. Ein erstaunlicher Befund für eine primitive Kultur!
Der Zahnstatus verrät einen radikalen Wandel in der Ernährung. Der typische Abrieb durch pflanzliche Kost stoppt im mittleren Alter und wird durch eine fleisch- bzw. fischlastige Diät ersetzt. Auch dies höchst erstaunlich und Hinweis auf einen eventuell hohen Rang innerhalb der Gesellschaft.

Eine Mangelernährung ist zu keinem Zeitpunkt festzustellen.
Einzige Verletzung ist verheilt, eine Art Tierbiß oder Tatzenangriff am Oberarm.

Aber das Erstaunlichste und kaum zu Glaubende: All diese schrecklichen Deformationen sind nicht angeboren sondern entwickelten sich erst im jungen Erwachsenenalter. Dabei sind sie aufgrund ihrer Ausgestaltung, Verteilung und Symmetrie völlig untypisch für alle bekannten Knochenerkrankungen wie sie z.B. vom sog.Elefantenmensch bekannt sind.

Dr. Miller hält das Skelett daher für eine Fälschung, für einen üblen Scherz an uns Ausgräbern. Aber wer hätte ein solches Interesse? Nein, das Skelett ist echt.

Ich will versuchen, in den nächsten Tagen die neuere Literatur durchzugehen. Denn dieses arme Geschöpf, diese extremen, aber mit dem Leben anscheinend zu vereinbahrenden Mißbildungen lassen meine Gedanken nicht zur Ruhe kommen.

Am Nachmittag traf ich mich mit Lester und Mr. Sherington in der Universitätsbibliothek. Die beiden Herren hatten bereits einiges über den hiesigen Indianerstamm der Nauset herausgefunden:

Die Nauset waren Algonkin sprechende Indianer des östlichen Nordamerikas, die früher die Halbinsel Cape Cod im Südosten von Massachusetts bewohnten und eine Variante des Massachusett sprachen. Ihre Kultur und Lebensweise unterschied sich kaum von der ihrer Nachbarn, mit Ausnahme ihrer stärkeren Abhängigkeit von Meeresfrüchten. Ihre Identität ist heute erloschen, da sich die letzten Stammesangehörigen im 18. Jahrhundert mit anderen Gruppen mischten.
Sie kamen schon früh mit europäischen Siedlern in Kontakt, was Vorteile hatte (Erlernen von Ackerbau), als auch Nachteile (neue Krankheiten, kriegerische Auseinandersetzungen). In ihrer Gesamtheit wurden die Nauset im Vergleich zu anderen Stämmen nie vollständig christianisiert. Im King Philip’s War gerieten die Nauset, ob christlich oder nicht, zwischen die Fronten und wurden am Ende in einem Internierungslager auf einer Insel im Bostoner Hafen ihrem traurigen Schicksal überlassen.

Der Medow Hill und auch der Weiße Obelisk wurden bislang noch nicht archäologisch erforscht. Finden aber Erwähnung in einem 1801 erschienen Werk von Rev. Ward Phillips “Thaumaturgical Prodigies in the New-England Canaan”. Das Werk ist in der Bibliothek aber unerklärlicherweise nicht mehr vorhanden.

Glücklicherweise befindet sich das Manuskript aber im Besitz der Society! Lester führt es uns voller Stolz vor und entnimmt es vorsichtig dem schützenden Glaskasten. Während sich die beiden Herren eifrig daran machen, die schwer lesbare schörkelige Schrift zu entziffern und enthusiastisch hin- und herblättern – wurde mir sehr unwohl bei den von ihnen dabei gemurmelten Hinweisen auf den Inhalt des Werkes. Da geht es um Hexenrituale, Irrglauben und schändlichste blasphemische Aktivitäten!
Der mutige Mr. Sherington möchte sich die nächsten Wochen eingehend mit diesem Werk befassen. Könnte es doch, in Verbindung mit der geplanten weiteren archäologischen Ausgrabungaktivität, ein spannendes Promotionsthema ergeben.

Ich dagegen sorge mich eher um die Gesundheit des jungen Mannes. Er sieht recht angegriffen aus und die Lektüre eines solch gräßlichen und schändlichen Werkes kann selbst für starke und gefestigte Charaktere eine zu große Herausforderung sein!

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Grabungstagebuch Medow Hill (Auszug)
28-1-1923

Suchgraben in westlicher und östlicher Linie von Grab 1 gezogen, jeweils 50 m. Trotz Abtiefung auf Bodenniveau der Grablege keine weiteren Befunde.
Zufallsfund eines knöchernen Gegenstands mit Widerhaken und Öse, wohl Angelhaken, im Schutt der Tontaubenscherben und Patronenhülsen. Gründliche Suche ergibt Ansammlung von zwölf dieser Objekte in eng gepackter Form, wohl ursprünglich in einem Beutel aus organischem Material untergebracht, außerhalb der Steinumfassung der Grablege.

Abbruch der Arbeiten aufgrund der fortgeschrittenen Zeit und der schlechten Witterung. Grablege zugeschüttet, aber mit Steinen markiert. Wiederaufnahme der Arbeiten im Frühjahr.

Alle bisherigen Funde sachgemäß verpackt (eine Kiste mit Skelett und Tierknochen, eine Kiste mit sämtlichen Artefakten). Lagerung in Materialkammer der Society in Arkham. Lester, Mr. Sherington und ich erhalten Schlüssel für diese Kammer, um das Material jederzeit im Rahmen von Nachforschungen sichten zu können

Gegenüber Mr. Finderghast, dem Vorsitzenden des Schützenvereins, den Fund runtergespielt um unsachgemäße Grabungsaktivitäten neugieriger Dilletanten zu verhindern.

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Nacht auf Sonntag 28-1-1923 Tagebucheintrag von Mary-Ann Hauser
Besuch um Mitternacht

Lieber Walter,

ich zittere immer noch wenn ich an die schrecklichen Ereignisse dieser Nacht denke. Kaum war es mir gelungen in dieser winzigen, aber wohlig beheizten Besenkammer im Schützenhaus am Medow Hill einzuschlafen, als mich ein plötzliches lautes Geräusch weckte. Erst dachte ich, jemand sei gestürzt – Du weisst ja, der gute Lapham ist nicht mehr der Jüngste – und beeilte mich, mit meiner Arzttasche in den Clubraum zu gelangen. Aber was musste ich dort sehen! Die Tür war eingetreten worden und vier Gestalten der Unterwelt waren durch den Schnee zu uns gekommen. Einer häßlicher und ungepflegter als der andere! Und bewaffnet! Lester stand völlig verdattert herum und Lapham schlief sogar noch! Nur der junge Mr. Sherington hatte die Lage erkannt, eine Lampe entzündet und nach seinem Stock gegriffen.
Der widerliche Typ mit der Fistelstimme nannte uns beim Namen und bat uns eindringlich, der Polizei gegenüber die Identität des Schützen in Paul’s Steak House zu verschweigen. Glücklicherweise eine leicht zu erfüllende Anforderung. Ich saß schließlich mit dem Rücken zum Geschehen. Und außerdem – wenn sich die Mafiosi gegenseitig umbringen wollen, soll uns unbescholtenen Bürgern dies nur recht sein. Auch Mr. Sherington wirkt auffallend erleichtert, als er den Grund für die Anwesenheit dieses Gesindels erfuhr.

So schnell wie dieser unappetitliche Besuch gekommen war so schnell waren sie auch wieder weg.
Nur mit Mühe und guter Medizin gelang es uns aber, Lapham zu beruhigen. Er wäre am liebsten sofort nach Arkham zurückgefahren. Mitten in der Nacht und im Schneetreiben! Sicher wird er aber am nächsten Morgen aufbrechen.
Nachdem wir die Tür provisorisch gesichert und den nächsten Tag geplant hatten, waren wir soweit beruhigt und konnten wieder versuchen, an Schlaf zu denken. Dabei hilft mir der Inhalt unseres großen Kellers. Den Fusel, den die Kerle als “Dank” hinterlassen haben rühre ich nicht an. Wobei die Herren sehr wohl Interesse daran gezeigt haben.
Immerhin wollen wir uns morgen wieder dem rätselhaften Grab zuwenden. Es ist bedauerlich, dass Du nicht hier sein kannst mein Lieber, dieses Abenteuer wäre so recht nach Deinem Sinne. So bleibt mir nur, alles für Dich aufzuschreiben.

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Traum im Schützenhaus

_ "Und auf einmal war das Feuer aus. Er wurde durch die sinkende Temperatur wach. Schlaftrunken rappelte er sich auf, die Augen auf den Rest der Glut im Kamin gerichtet. Langsam ging er über den hölzernen Fußboden, zumindest etwas bemüht, die beiden anderen Männer in dem ehemaligen Farmhaus nicht zu wecken. Zwei Scheite Holz warf er aufs Feuer, als sich seine Sicht langsam klärt… Das Knacken der Holzscheite ließ in kurz die Hand vor die Augen halten, um keine Funken in die Augen zu bekommen. Und als er die Hand weg nahm, sah er… das es gar kein Kaminfeuer war.
Er hockte vor einem Lagerfeuer. Und was er sich gegenüber durch die Flammen sah, ließ ihn vor außerweltlicher Angst fast erstarren. Ein Wesen so widernatürlich, wie man es sich nur vorstellen konnte, und doch einem Menschen so ähnlich, das es eine animalische Schrecken auf das Gesicht des Mannes zeichnete. Der Körper wie der eines Menschen und doch nicht. Kurze Oberarme, kurze Oberschenkel… Starke Muskeln, die sich aber nicht regten. Hände wie ein Frosch und doch konnte man die Finger eines Menschen erkennen… und erst das Gesicht. Ein kahler Schädel von undefinierbarer Farbe, ohne Ohren und ein Mund wie ein Frosch, breit und nackt und monströs. Und es schien mit ihm oder mit sich selbst zu sprechen. Ein Name oder ein Wort, das entweder Aufgrund des widerwärtigen Maules der Kreatur oder Aufgrund der Abnormalität des Wortes selbst für den jungen Mann nicht verständlich war. Das Wort war fast grauenhafter als das Wesen selbst und trieb den Mann in eine Panik, die er noch nie verspürt hatte. Wie Wild, das vor einem Raubtier flieht, war diese Angst.
Der junge Mann begann, sich von der Starre, die ihm der Schrecken der Absonderlichkeit versetzt hatte, zu lösen und kroch in der Panik, die ihn umfing, mit dem Gesicht und dem Blick immer noch gebannt durch die Flammen auf das widerwärtige Wesen starrend, Rückwärts. Und auch hier war kein Haus, kein Holzboden… nein…Sumpf und Büschel von Gras und Feuchtigkeit ergriff er, als seine Hände blind nach hinten tasteten. Und plötzlich wachte er auf. Es war ihm schlagartig bewusst, als er mit dem Gesicht voran von den Stühlen auf den harten Holzboden schlug. Der Traum war vorbei. Noch benommen vom Aufschlag und dem monströsen Traum, griff er zu dem Glas, das neben seinem Tisch stand. Auf die kurze Frage der Männer, die noch mit im Raum schliefen, ob alles in Ordnung sei, nickte er nur knapp und und gab ein “Ja, schlechter Traum” zurück. Einen Schluck Wasser nahm er noch, legte zwei Scheite Holz nach und wollte sich dann eigentlich wieder hin legen. Doch dann hörte er es. Die gleichen unverständlichen Laute… aber dieses Mal klang es, als käme es aus zwei Kehlen. Wie eine Aussage und eine Antwort. Und nun erstarrte er. Träume er noch? Er musste noch träumen… Es konnte nicht anders sein. Oder war es die Einbildung… der Wind. Ungewissheit und damit der Schrecken des Traumes machten sich erneut in ihm breit und er ließ das Glas mit Wasser fast fallen._

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Ausgrabungsnotizen von Hubert Sherington
Kurze Stichpunkte zur Ausgrabung

Ort: Medow Hill
Zeit: 10.00 Uhr

Nachdem wir uns in dem sehr schön renovierten Farmhaus, das jetzt der Schützenverein von Arkham als Tontauben-Ranch und Vereinsheim nutzt, eingerichtet haben, sind wir raus auf dem Medow Hill gelaufen. Mr. Finderghast ist ein guter Gastgeber und hat sich reichlich Mühe gegeben, uns das Haus einzurichten für das Wochenende.

Der Schnee und Erdrutsch und damit die Ausgrabungsstelle war gut zu erkennen

  • Hocker-Grab (Fötale Haltung des Begrabenen)
  • Nur noch Knochen übrig
  • 6 verbrannte Stellen in einem Kreis um die Gebeine
  • steinerner Wall um die Beerdigungsstätte
  • 3 Pfeilspitzen aus Obsidian gefunden
  • Totes Nage- oder Raubtierknochen beim menschlichen Skelett
  • Deformierungen der Knochen vor Ort (großer und zweiter Zeh verwachsen, die anderen drei Zehen auch verwachsen, Extrem starke aber kurze Oberschenkelknochen, Wirbelsäule wie bei zu einem Buckel deformiert)

Untersuchung der bereits eingesammelten Knochen:

  • Oberarme ebenfalls stark und kurz (wie Oberschenkel)
  • Schädel deformiert (Kiefer-und Mundpartie stark nach vorne gezogen und verbreitet)

Weiter Fundstücke, die eingesammelt wurden:

  • Knochenperlen (zuvor möglicherweise eine Kette)
  • Steinmesser (augenscheinlich war ein Griff daran befestigt, der allerdings verrottet ist → “Bohrung im Griffstück”, kein Grober Faustkeil)
  • Götzenbild in Form eines Froschmenschen (?) aus weißem Stein (augenscheinlich ähnliches Material wie der weiße Monolit auf der anderen Seites des Medow Hill)

Anmerkung: Dieses Götzenbild passt erschreckend zu den Deformationen der Knochen, die wir gefunden haben. Mich plagen Gedanken seid dem Moment, als ich das Götzenbild gesehen habe, die ich nicht richtig beschreiben kann. Mich plagt eine außerweltliche Furcht vor diesem Abbild und vor den Gebeinen, vor allem, weil solche Deformationen höchstens auf unglaublichen Inzest oder etwas derartigem schließen lassen. Und dies in Form eines Götzenbildes zu verehren. Dieses Maul, wie ein Frosch, diese Arme. Ich hoffe, ich finde ruhigen Schlaf heute Nacht.

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