Arkham Stories

April 1923 Tagebucheintrag von Mary-Ann Hauser
Ein großer Verlust und dann noch Narbengesicht

Oh Walter,

ich habe meine Berichte hier im Tagebuch vernachlässigt, so entsetzlich waren die vergangenen Tage.

An unserem letzten Treffenfreitag warteten wir in der Society auf das Erscheinen des jungen Hupert. War er etwa wieder in seinen geliebten Studien versunken? Wir entsandten Lester um ihn zu holen – doch dieser rief uns verstört an und berichtete, der junge Mann liege tot in seiner Studentenbude. Ich bin sofort mit dem Taxi nach Norden gefahren – und ja, da lag er, tot. Einfach so. Keine Spuren eines Kampfes. Er lag da… so ruhig, so sanft. Wie ein Ertrunkener.

Und genau das war er! Oh Walter, ich überließ natürlich Dr. Miller die Obduktion und es waren genau dieselben Details an Hupert festzustellen wie an dem jungen Matrosen: Außen vollkommen trocken, innen vollkommen mit Seewasser gefüllt.

Du kannst Dir nicht vorstellen, was durch diesen Todesfall ausgelöst wurde. Die Polizei vermutet weiterhin eine natürliche Todesursache, aber mir kommen hier langsam Zweifel. Wie sollte das zugehen?

Im Krankenhaus mutmaßt man eine geheimnisvolle Seuche und die Experten (echte und vermeintliche) gaben sich die Klinke zum forensischen Keller in die Hand. Selbst von der Hopkins-University reiste William H. Welch an und untersuchte die Leichen. Auch ich geriet in den Focus, hatte ich doch mit beiden Herren in Kontakt gestanden. Doch konnte bisher kein Keim nachgewiesen werden.

Auch die Familie von Hupert macht natürlich Druck. Und wahrscheinlich dadurch – und weil die Polizei in dieser Kleinstadt einfach nur unfähig ist – allen voran Det. Herrington – tauchte einen Tag vor der Beerdigung unseres jungen Freundes in Boston ein Privatermittler bei mir auf.

Diesen Mr. Diamond müsstest Du sehen! Selbst für hartgesottene Männer ist sein Äußeres schwer zu ertragen – unzählige Narben entstellen sein Gesicht. Aber hinter der Fassade scheint mir ein äußerst wacher und kluger Geist zu sitzen.

Es war nicht unangenehm, sich die ganzen schlimmen Ereignisse einmal von der Seele reden zu können – allerdings blieb ich dabei vorsichtig, denn mir scheint Mr. Diamond nicht nur von diesem Dect. ausgeschickt, sondern auch manipuliert worden zu sein. Er scheint mich – MICH – zu verdächtigen. Unglaublich!

Dabei käme mir die Bekanntschaft eines gewitzten Privatermittlers nicht ungelegen. Zum einen, weil mir die Schicksale der ganzen Toten der letzten Wochen und natürlich ganz besonders des jungen Hupert zu Herzen gehen. Und andererseits weil ich weiterhin glaube, dass Du am Leben bist und ich Unterstützung für eine weitere Expedotion brauchen kann.

Daher habe ich auch eingewilligt, mir mit ihm zusammen die forensischen Akten und auch den toten Matrosen im Leichenkeller anzusehen. Er hörte mir aufmerksam zu, doch schienen ihn meine Äußerungen nur in seinem Verdacht mir gegenüber zu stärken.

Und fast hätte ich es vergessen: In der Nacht von Huperts Tod wurde in die Society eingebrochen! Äußerst brutal und zerstörungsfroh wurden das Skelett vom Medow Hill und beide Steinfiguren gestohlen. Aber wer kann ein Interesse an diesen garstigen Objekten haben? Besteht gar ein Zusammenhang zu den Todesfällen? Immerhin waren beide Opfer im zeitweiligen Besitz der Figuren?!

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Todesanzeige für Mr. Sherington im Arkham Advertiser

Quem di diligunt, adulescens moritur.

Wir trauern um unser jüngstes, aber vielversprechendstes Mitglied

Mr. Dr. cand. phil Hupert Sherington aus Boston

der in der Blüte seiner Jugend so überraschend und plötzlich aus unserer Mitte gerissen wurde.

Ein aufgehender Stern in der archäologischen und heimatkundlichen Wissenschaft ist jäh erloschen.

In tiefer Trauer und Verehrung,

Arkham Historical Society

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Donnerstag 05-04-1923 Tagebucheintrag von Mary-Ann Hauser
Forensik & Recherchen im Hafen

Lieber Walter,

die letzten Tage waren voller überraschender Wendungen.

Zunächst mussten wir am Dienstagmittag erfahren, dass der junge Mann, der verwirrt-verwahrlost aufgefunden worden war, während seines Aufenthaltes in der Psychiatrie plötzlich verstorben ist.
Da Dr. Miller private Verpflichtungen hat und ihm mein so plötzlich aufgekommenes Interesse an der Rechtsmedizin zu gefallen scheint, überlässt er mir allein die Obduktion der Leiche. Der Befund war eigentlich völlig unspektakulär: Der Junge war ertrunken. Sämtliche inneren Organe (Lunge, Magen, Darm) waren voller Seewasser. Es gab auch keinerlei Kampfspuren. Der Körper verkrampft, der Kopf überstreckt. Alles ganz lehrbuchgemäß. Aber…. der Leichnam wurde im Krankenbett aufgefunden. Das Bett, die Klinikskleidung, Haut und Haare – alles trocken! Wie kann das zugehen, dass er quasi nur von innen nass ist?!

Ebenso frustrierend ist, dass die Untersuchung keinen Hinweis auf seine Identität liefert. Aber der Beruf Matrose scheint zu passen (nicht nur, weil seine mehrfach geflickte Lederjacke einer Seemannsjacke entspricht und nach Meerwasser und Seetang riecht) – auch seine Schwielen und verheilten Wunden deuten auf harte körperliche Arbeit auf beengtem Raum hin.

Dr. Miller war zunächst entsetzt als er meinen Bericht las – aber er kam zum gleichen Schluß nachdem er die Obduktion wiederholt hatte: Tod durch Ertrinken. Wie das genau im Krankenhaus passiert sein soll – darüber “durfte” ich dann diesem anstrengenden Det. Herrigan Rede und Antwort stehen. Er glaubt meiner Annahme nicht, dass der Täter innerhalb von ca. vier Stunden (Zeitspanne zwischen der letzten Sichtung des Opfers in apathischem, aber lebendigem Zustand und Auffinden der Leiche) den Jungen rausgeschleppt, ersäuft, getrocknet und zurückgeschleppt hat. Aber wie soll es denn sonst gewesen sein?! Und wäre das noch nicht genug, so wirft mir dieser infame Mensch zum Schluß des Gesprächs auch noch einer widerliche Steinskulptur zu – ein ähnlich abstoßendes Artefakt wie dasjenige, welches wir am Medow Hill gefunden hatten. Der Junge habe es in der Hand gehalten als man ihn fand.

Das kunstvoll gearbeitete Objekt aus schwarzem Basalt, das ganz neu erschaffenwurde und damit nicht wie ein archäologisches Objekt wirkt, übergebe ich an Hupert Sherington. Zum einen, damit ich diese Absonderlichkeit nicht länger ertragen muss und zum anderen, weil sich unser junger Freund mit Vergleichsstudien zu diesen Skulpturen beschäftigt. Er hat da wohl auch schon einige Informationen sammeln können, identifizierte die Figur als Krötengötze der Norset namens Satogua (oder so ähnlich).

Bei dieser Gelegenheit berichtete Mr. Sherington mir von seinen Nachforschungen in Kingsport bei der dortigen Hafenmeisterei. So lag in den vergangenen Tagen kein deutsches Schiff vor Anker, allerdings sind die Mannschaften generell oft internatioal breit aufgestellt. Vermisst wird kein Matrose. Zu guter Letzt konnte aber ein ehemaliger deutscher Kriegsgefangener, der nun als Fischer arbeitet, den Ruf des Jungen erklären: LI steht für den Leitenden Ingenieur auf einem U-Boot.

Meine restliche karge Freizeit verbringe ich mit Recherchen in der medizinischen Bibliothek. Jetzt werde ich noch den guten Mr. Peabody anrufen, denn morgen wollen wir bei unserem allwöchentlichem Treffen in der Society endlich beginnen, unsere Frühjahrsausgrabungen am Medow Hill zu planen.

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Montag 02-4-1923 Tagebucheintrag von Hupert Sherington
Ein armer Matrose

Die Ereignisse überschlagen sich. Aber der Reihe nach.
Nach wochenlangem intensivem Studium des unheilvollen Manuskriptes von Rev. Phillips – dessen Irrationalität und Grauen mich immer tiefer in seinen Bann zog und mir nicht nur in der Nacht unheilvolle Träume bescherte – fühlte ich mich seit vergangener Woche zunächst endlich wieder ein wenig besser. Ja, menschlicher, lebendiger.

Es hatte mit der Ausstellung der Society viel zu tun gegeben. Auch versuchte ich, Quellen über den Rev. und das Buch selbst zu finden und zu lesen. Auch die rätselhaften Morde an zwei jungen Frau und das verschwundene Steinmesser waren in meinen Gedanken immer wieder präsent und lenkten mich ab. Und dann dieses komische Wort, ein Name wohl wie ich mittlerweile weiß, den Mr. Ropes in meiner Gegenwart (und nur in dieser) fallenließ: Tsathoggua. Es ist fast unmöglich, Quellenmaterial dazu zu finden. Aber ich entdeckte, dass Sataugua ein Götze der Norset-Indianer war.
Schließt sich hier ein Kreis? Sind dunkle Geheimnisse aus der Vergangenheit noch lebendig? Dennoch ging es mir besser. Die krötenartige Fratze in meinen Alpträumen und Halluzinationen wurde immer mehr zu dem was sie war – ein steinernes Abbild, kein lebendiges Gesicht. Auch den Geruch von Seetang vernahm ich kaum noch.

Insbesondere die strahlende Eröffnung unserer Ausstellung am vergangenen Samstag beflügelte mich und sorgte für große Freude. Viele Gäste, ja nahezu ganz Arkham inkl. der Presse waren gekommen und hatten sich mehr als wohlwollend unsere Funde betrachtet.

Während ich am heutigen Montag beschwingt in der Bibliothek recherchierte suchte mich Dt. Herrigan auf um mir eine kleine Figur zu zeigen und meine Meinung zu erfragen. Ich war geschockt, als ich sah, was er auspackte: Eine Gestalt, mehr Kröte als Mensch. Sehr ähnlich unserem Fundstück, aber sehr viel detaillierter und präziser gearbeitet. Ein Meisterwerk – wenn nicht diese dämonische Ausstrahlung von ihr ausgehen würde.
Das Objekt wurde bei einem verwahrlosten jungen Mann gefunden, der es fest umklammert hielt und “Eli” rief. Er konnte noch nicht identifiziert werden, da er ansonsten beharrlich schweigt und wurde daher in der Psychiatrie untergebracht. Ich kann dem dringend Hilfe benötigendem Detective nicht weiterhelfen, da mir nur unsere Figur vom Medow Hill als weiteres Vergleichsstück bekannt ist und komplementiere ihn anschließend schnell heraus.

Um mich fix auf den Weg zum St. Mary’s Krankenhaus zu begeben. Glücklicherweise finde ich Dr. Hauser schnell und wir begeben uns rasch in die psychiatrische Abteilung (der dort zuständige Dr. Abbott ist nämlich gerade zu Tisch).

Der junge Mann hat einen langen Zausebart und wirkt reichlich derangiert, ist aber unverletzt. Ohne Tätowierungen oder Schmuck, welche eine Identifizierung erleichtern könnten. Seine Kleidung und Schuhe, welche auf einem Stuhl drapiert wurden sind komplett zerschlissen. Besonders auffällig seine Lederjacke nach Seemannsart, innen komplett nass und nach Seetang (SEETANG ….) riechend.

Dr. Hauser versucht vergeblich mit ihm zu reden. Er ruft nur immer wieder “Eli”. Und da erwischt uns Dr. Abbott bei seinem Patienten, wutentbrannt wirft er uns aus dem Krankenzimmer. Doch unerwartete Hilfe kommt von einer alten Krankenschwester mit deutschen Vorfahren, die im Gemurmel des jungen Mannes ihre Großmuttersprache wiedererkennt und übersetzt, er würde “Rettet Euch!” rufen. Oder “L I”. Was immer letzteres bedeuten mag.

Ich werde am morgigen Tag mich im Hafen nach einem deutschen Schiff umsehen während Dr. Hauser Dr. Abbotts Mittagspause für einen erneuten Krankenbesuch nutzen wird.

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Freitag 23-3-1923 Tagebucheintrag von Mary-Ann Hauser
Ausstellungsplanung und ein Wiedersehen

Lieber Walter,

heute hat endlich Hupert Sherington wieder eines unserer Treffen besucht. Der fleißige junge Mann hatte sich ja für seine umfänglichen Studien zurückgezogen und – das weiß keiner besser als Du – darüber seine gesellschaftlichen Verpflichtungen vergessen. Aber auch wir Älteren waren nachlässig und erst in der dritten Woche, nachdem er nicht mehr zu unseren Treffen gekommen war, schickten wir den guten Lester mit einem Obstkörbchen in den Norden Arkhams um nach dem jungen Herrn zu schaúen und Grüße der Society zu bestellen. Und ihn herzlich an unsere Treffen zu erinnern. Denn es gibt viel zu tun. Lapham plant eine Ausstellung des Skelettfundes von Medow Hill im Kontext Ureinwohner und Pilgerväter und ist kaum zu bremsen in seinem Tatendrang.

Und heute war Mr. Sherington endlich wieder dabei. Aber … wie er aussieht. Völlig ausgezehrt, erschöpft und schreckhaft. Nur noch ein Schatten seiner selbst. Was ist nur mit passiert? So schlecht kann die Luft in seiner Studentenbude doch gar nicht sein? Wie exzessiv mag er seine Studien betrieben haben? War es richtig, ihn mit diesem gräßlichen alten Manuskript des Rev. Phillips allein zu lassen?

Die gute Stimmung unserer kleinen Runde ist sofort getrübt. Um uns aufzuheitern beginnt Lapham mit den Detailplanungen zur Ausstellung. So möchte er das Skelett in einer mit einem Vorhang verdeckten Vitrine nur Männern zugänglich machen. Oh, dieser alte Mann – er hat keine Ahnung, was wir Frauen alles aushalten können – wenn wir es wollen! Die Artefakte werden dagegen in einer zweiten Vitrine dem gesamten geneigten Publikum präsentiert. Und viele Stücke aus dem Fundus der Society (Portraits, Tagebücher etc.) werden schöne Ergänzungen sein.
Dermaßen beflügelt planen wir auch gleich eine zweite, richtige Ausgrabung am Medow Hill – finanziert durch die Ausstellung.

Ich berichte noch kurz von dem zweiten Mordfall, doch bevor die Stimmung wieder kippt und Mr. Sherington sich erneut in die Bibliothek verzieht (was hat er da schon wieder gesucht?!) begeben wir uns alle ins Erdgeschoß um die Vitrinen zu rücken und zu säubern und die Objekte provisorisch einzuräumen. Schließlich soll das Konzept der Ausstellung am morgigen Samstag in einer Pressekonferenz präsentiert werden.

Aber was ist das – das Messer ist verschwunden! Wir durchsuchen alle Kisten und die Asservatenkammer Nichts! Lester und Mr. Sherington fahren sogar in dessen Studentenbude um dort nachzuschauen, wollte Mr. Sherington doch die Artefakte näher archäologisch klassifizieren.

Aber das Steinmesser bleibt unauffindbar! Mr. Sherington erwähnt, dass er vor ca. sieben Wochen gesehen hat, dass die Tür zur Asservatenkammer offenstand – aber niemand hielt sich dort auf und so schloß er sie wieder ab.

Sollen wir die Polizei alarmieren? Immerhin handelt es sich um ein wertvolles Fundstück. Aber was sollen wir ihr sagen? Vier Personen besitzen den Schlüssel zur Kammer. Und ich habe das Messer nicht an mich genommen – und die Herren Peabody, Ropes und Sherington doch sicher auch nicht. Und dann vermutet Mr. Sherington auch noch, das verschwundene Steinmesser könnte die Tatwaffe in den beiden Mordfällen sein! Ein ungeheuerlicher Gedanke!

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Mittwoch, 21-3-1923 Tagebucheintrag von Mary-Ann Hauser
Besuch bei Dr. Miller

Lieber Walter,

der gute Dr. Miller war heute leider wieder extrem uncharmant. Er konnte mir zu der gestern so traurig ums Leben gekommenen jungen Frau keine weitergehenden Angaben machen als diejenigen, welche ich selbst bereits entdeckt hatte. Es hatte wohl einen längeren Kampf gegeben, worauf typische Abwehrverletzungen an den Unterarmen hindeuten. Die Stimmbänder wurden gezielt zerstört. Der Angreifer ist äußerst brutal vorgegangen. Als Waffe vermutet er eine Art Säge oder einen grob gearbeiteten Kris.

Leider hat er sich dann aber geweigert, mir die Akte zum Mordopfer von Anfang Februar zu zeigen. Das gehe mich nichts an… pah, alter Wichtigtuer… aber ich werde schon noch einen Weg finden meine Neugierde zu stillen …

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Dienstag, 20-3-1923 Tagebucheintrag von Mary-Ann Hauser
Das zweite Opfer

Lieber Walter,

während draußen bereits milde Frühlingsluft die Bäume erblühen lässt und im Kreißsaal doch so einige rosige Babies das Licht der Welt erblickten – kam es heute zu einem traurigen Vorfall im Krankenhaus. Ich war die letzte im OP, die anderen Ärzte waren schon nach Hause gegangen, als der Rettungswagen in Begleitung der Polizei eine junge Frau zu uns brachte. Und obwohl ich durch die Geburtshilfe an Blut gewöhnt bin, so verstörten mich ihre Wunden doch sehr. Im ganzen Gesicht und am Hals wies sie unzählige Schnittwunden auf, aus denen es unablässig blutete. Es war fast unmöglich, sich in all dem Blut einen Überblick zu verschaffen welche der Wunden am dringlichsten zu versorgen waren und so begann ich fast blindlings mit der Wundversorgung. Doch es war zu spät – aufgrund des großen Blutverlusts verstarb die junge Frau unter meinen Händen.

Während die Schwestern aufgeregt den OP verließen betrachtete ich mir das arme Ding näher. Sie trug die einfache Kleidung und Frisur einer Arbeiterin (wie ich später erfahren sollte taumelte sie nach dem Angriff – denn diese Wunden kann man sich nicht selbst beibringen – aus einem Lager der Lederfabrik in der sie arbeitete). Ihr Gesicht war furchtbar zerstört. Auffällig auch die Art der Schnittwunden mit ausgefransten Rändern eher grob gerissen als fein geschnitten. Mit welcher Waffe vermag ich mir nicht vorzustellen – eher könnte es ein Werkzeug, ähnlich eine Säge, gewesen sein. Auch ihre Luftröhre war zerfetzt worden – um ihre Sprechfähigkeit zu unterbinden? Was mag sich nur zugetragen haben?

Auch die Polizei tappt wohl noch im Dunkeln. Kein Wunder, ist doch auch hier der schmierige Dt. Herrigan mit dem Fall betraut. Er stellte mir einige Fragen, schien aber nicht sonderlich beeindruckt. Immerhin sei die Studentin, welche Anfang Februar ermordet wurde, auf gleiche Weise umgekommen. Das war mir neu (gut, in der Zeitung wurde auch nur der Mord an sich, ohne weitere Details, beschrieben). Morgen werde ich Dr. Miller, den alten Pathologen aufsuchen.

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